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„Wir verbauen unsere Zukunft“

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Unsere Böden sind Ackerflächen, CO2--Speicher, Lebensraum für tausende Lebewesen und wichtige Retentionsflächen. Trotzdem verbauen wir täglich 7.7 Hektar Fläche in Österreich. Können wir so weitermachen? Kurt Weinberger, Bodenspezialist und Vorstand der Hagelversicherung, im Gespräch.

 

Was bedeutet es für unsere Zukunft, wenn wir weiterhin so viele Grünflächen verbauen?
Wenn wir so weitermachen, verbauen wir nicht nur Wiesen und Äcker, sondern unsere eigene Zukunft. Zubetonierter Boden fehlt für Lebensmittelproduktion, Wasserrückhalt, Kühlung und Biodiversität. In einigen Jahren werden wir die Folgen noch stärker spüren: mehr Hitze, mehr Überschwemmungen, höhere Extremwetterschäden und mehr Abhängigkeit von Lebensmittelimporten. Boden ist nicht vermehrbar. Was einmal verbaut ist, ist für Generationen verloren. Man bedenke: Österreichs Sicherheit wächst nicht auf Beton, sondern auf Äckern und Wiesen. Von Beton kann niemand abbeißen. Sind die Böden einmal fort, bleibt uns nur mehr der Import. Und das dürfen wir nicht zulassen.

Welche Rolle spielt Bodenverbrauch bei Starkregen oder Muren – und was könnte Tirol besser machen?
Boden wirkt wie ein Schwamm: Er nimmt Wasser auf, filtert und speichert es. Versiegelter Boden kann das nicht. Dann fließt Wasser bei Starkregen oberflächlich ab – mit Folgen wie Überflutungen, Erosion, Hangrutschungen und Muren. Gerade Tirol muss mit jedem Quadratmeter besonders sorgsam umgehen, weil die Täler eng und die nutzbaren Flächen jetzt schon sehr gering sind. Tirol sollte jedenfalls die besten Agrarflächen weiter konsequent schützen, Leerstand nutzen und Zersiedelung stoppen, ansonsten steht sehr viel zur Disposition.

Was kann jede und jeder Einzelne beitragen, um Boden zu schützen?
Bodenschutz beginnt im eigenen Umfeld. Nicht jede Einfahrt muss asphaltiert sein, nicht jeder Garten zur Steinfläche werden. Regenwasser soll möglichst versickern können, Grünflächen und Bäume müssen erhalten bleiben. Auch beim Wohnen und Bauen gilt: Bestehendes nutzen, sanieren und verdichten, statt neue Flächen zu verbauen. Und wer regionale Lebensmittel kauft, stärkt jene Landwirtschaft, die unsere Böden bewirtschaftet und offenhält. Mein Appell: Bodenschutz ist nicht nur Aufgabe der Politik. Er beginnt dort, wo wir leben, wohnen, einkaufen und entscheiden. Also im Grunde schon bei jedem Einzelnen.

Wer trägt die größte Verantwortung beim Klimaschutz?
Alle tragen Verantwortung – aber nicht alle haben denselben Hebel. Die größte Verantwortung liegt bei der Politik, weil sie die Spielregeln festlegt für Raumordnung, Flächenwidmung, Verkehr, Energie usw. Aber auch die Wirtschaft ist gefordert. Ökologie und Ökonomie sind kein Widerspruch. Eine Wirtschaft, die ihre natürlichen Grundlagen zerstört, sägt am eigenen Ast. Und natürlich zählt auch das Verhalten jeder einzelnen Person. Die Politik muss den Rahmen setzen, die Wirtschaft muss Verantwortung übernehmen, und jeder Einzelne muss erkennen: Klimaschutz ist keine Belastung, sondern Zukunftssicherung.

Was müsste Tirol bzw. Österreich rasch politisch lösen?
Wir brauchen endlich verbindliche Grenzen beim Bodenverbrauch. Freiwilligkeit reicht nicht. Die besten Agrarflächen müssen konsequent vor einer weiteren Zerstörung durch Verbauung geschützt werden, denn Österreich hat keine unbegrenzten Produktionsflächen. Wir sind jetzt schon von Lebensmittelimporten abhängig. Zudem müssen Leerstand und alte Gewerbeflächen genutzt werden, bevor wieder auf der grünen Wiese gebaut wird. Zusammenfassend: Weniger Sonntagsreden, mehr verbindliche Regeln. Leerstand vor Neubau. Ortskern vor grüner Wiese. Agrarfläche vor Asphalt. Österreich darf nicht ein Land ohne Äcker zukunftslos werden, sondern muss ein Land der Äcker zukunftsreich bleiben.

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